
Nachhaltige Babypflege: Stoffwindeln
Stoffwindeln sind die nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Einwegwindeln. Wie diese funktionieren und welche Vorteile Stoffwindeln haben, erfährst du hier.
1. So funktionieren Stoffwindeln
Zusammen mit der Zero-Waste-Bewegung wurden Stoffwindeln wieder aktuell und liegen derzeit voll im Trend. Was früher komplizierte Wickelverfahren aus Tüchern und einer Sicherheitsnadel waren, sind heute intelligente Stoffwindelsysteme. Diese sind nicht nur einfach und schnell anzuwenden, sondern bringen auch noch zahlreiche Vorteile gegenüber Wegwerfwindeln mit sich.
Doch wie funktionieren Stoffwindeln? Das erfährst du in diesem Kapitel.
1.1 Das Grundprinzip
Anders als bei Wegwerfwindeln ist vielen werdenden Müttern und Vätern das Prinzip der Stoffwindel eher unbekannt. Dabei unterscheiden sich moderne Stoffwindeln zumindest in der Anwendung kaum von den Einwegprodukten.
- Stoffwindeln sind in der Regel wie Höschenwindeln geschnitten oder haben eine Überhose, welche diesen gleichkommt.
- Es gibt verschiedene Stoffwindelsysteme, doch alle weisen dasselbe Grundprinzip auf: Gegen die gröbsten Verunreinigungen hilft ein eingelegtes Vlies, das direkt entsorgt wird. Darunter befindet sich ein saugstarkes Material, welches gewaschen werden kann. Die nächste Schicht bildet der Nässeschutz, der dein Kind trocken hält. Dann kommt die Überhose, die der Windel Form verleiht.
- Stoffwindeln werden wie Einwegwindeln gewechselt, landen aber in der Waschmaschine und nicht in der Mülltonne.
- Stoffwindeln sind meist stufenlos verstellbar und können so von der Geburt bis hin zum Kleinkindalter genutzt werden.
- In der Regel brauchst du pro Kind circa 30 Stoffwindeln oder Einlagen. Die Menge an Wegwerfwindeln beträgt im Vergleich circa 6.000 Exemplare.
Das Grundprinzip der Stoffwindel: Überhose, Nässeschutz, Saugmaterial
1.2 Stoffwindelsysteme
Stoffwindeln sind in vielen unterschiedlichen Varianten erhältlich. Wir zeigen dir die verschiedenen Stoffwindelsysteme und erklären ihre Vor- und Nachteile.
Wie der Name schon sagt, besteht die Windel hier aus nur einem Element, das optisch einer Wegwerfwindel sehr ähnelt. Hierbei kann die komplette Windel in die Waschmaschine gegeben werden, da Nässeschutz und Saugmaterial integriert sind.
- Windeln notwendig pro Kind: circa 30 Stück
- Vorteil: Sehr einfache Anwendung, für Anfänger geeignet
- Nachteil: Kostenintensiv, da All-in-one-Modelle vergleichsweise teuer sind

Die Pocket-Stoffwindel sieht einer All-in-one-Windel sehr ähnlich. Der Unterschied ist eine eingebaute Tasche in der Hose, in welche unterschiedliche Saugeinlagen gelegt werden können.
- Windeln notwendig pro Kind: circa 30 Stück
- Vorteil: Sehr einfache Anwendung, für Anfänger geeignet, Saugeinlagen können je nach Saugkraft variiert werden
- Nachteil: Kostenintensiv

Bei den Hybrid-Stoffwindelsystemen handelt es sich immer um Überhosen, in welche entweder nur der Nässeschutz bereits eingenäht ist oder Nässeschutz sowie Einlage separat hineingelegt werden müssen. Bei der Snap-in-one-Windel wird die Einlage eingeknöpft, während bei der Pre-Fold-Hose bestimmte Falttechniken für die Einlage genutzt werden können. Beim All-in-three-System wird lediglich der Nässeschutz ausgewechselt.
- Windeln notwendig pro Kind: Circa 6-8 Überhosen und 30 Einlagen
- Vorteile: Es müssen nur die (kostengünstigeren) Einlagen gewechselt werden, Art der Saugeinlage kann variiert werden, weniger Überhosen notwendig
- Nachteile: Vergleichsweise kompliziert, oft an eine bestimmte Marke gebunden

Die Höschenwindel sieht einer Wegwerf- oder All-in-one-Windel sehr ähnlich, wird jedoch komplett aus saugfähigem Material hergestellt. Daher eignet sie sich besonders gut als Nachtwindel oder auf Reisen, da sie dein Kind über Stunden hinweg trocken hält.
- Windeln notwendig pro Kind: Circa 10 Stück, da nur als Nachtwindel geeignet
- Vorteile: Stundenlang trocken, sehr saugfähig
- Nachteile: Sehr kostenintensiv, vergleichsweise nur wenig atmungsaktiv, sehr voluminös

1.3 Das Saugmaterial
Während die Überhosen der Stoffwindeln fast ausschließlich aus (Bio-)Baumwolle bestehen, variieren die Materialien der Saugeinlagen. Grund dafür ist, dass jedes Alter und jedes Kind unterschiedliche Ansprüche an die Windel stellen und diese mit der entsprechenden Einlage erfüllt werden können. Die üblichsten Materialien sind:
- Mikrofaser/Polyester: Besonders saugstark, jedoch kein hoher Feuchtigkeitsspeicher
- Baumwolle: Sehr saugstark, sehr hoher Feuchtigkeitsspeicher
- Hanf: Sehr saugstark, sehr hoher Feuchtigkeitsspeicher, jedoch nicht sehr saugschnell
- Viskose: Sehr saugstark, sehr hoher Feuchtigkeitsspeicher, sehr saugschnell
2. 6 gute Gründe für Stoffwindeln
Stoffwindeln haben zahlreiche Vorteile, die wir dir im Folgenden aufzeigen.
- Stoffwindeln sind besonders angenehm zu tragen und atmungsaktiver als Wegwerfwindeln. Zudem verringert sich die Gefahr von wunder Haut durch die Windel, da Stoffwindeln aus hautschonenden Materialien bestehen.
- Stoffwindeln sind wiederverwendbar und schonen so die Umwelt, indem sie helfen, weniger Müll zu produzieren.
- Stoffwindeln sind insgesamt günstiger als Wegwerfwindeln: Während du nur circa 30 Stoffwindeln benötigst, verbrauchen Eltern im Schnitt 6.000 Einwegwindeln pro Kind.
- Stoffwindeln sind besonders langlebig. Bei richtiger Pflege halten sie mehrere Jahre und müssen nicht ständig neu gekauft werden.
- Stoffwindeln wachsen mit: Dank unterschiedlich angebrachter Druckknöpfe oder eines Klettverschlusses können Stoffwindeln stufenlos verstellt werden und passen deinem Baby so von Geburt an, bis es schließlich keine Windel mehr braucht.
- Stoffwindeln sind einfach in der Anwendung. Je nach Stoffwindel-System kannst du zu Varianten greifen, die genau wie Wegwerfwindeln beim Wickeln funktionieren. So können auch die Großeltern oder der Babysitter Stoffwindeln nutzen, ohne dass du ihnen dies aufwendig erklären musst.
Stoffwindeln können von Geburt an bis zum Kleinkindalter genutzt werden, da sie stufenlos verstellbar sind.
3. Stoffwindeln richtig waschen
Damit du die Stoffwindel immer wieder einsetzen kannst, muss diese richtig gereinigt und aufbewahrt werden. Im Folgenden haben wir einige Tipps für dich zusammengestellt:
Damit sich keine unschönen Gerüche in deinem Zuhause entwickeln können, solltest du die benutzten Stoffwindeln entsprechend aufbewahren, bis du sie waschen. Dabei solltest du darauf achten, dass der Aufbewahrungsort trocken, ausreichend belüftet und nicht zu warm ist – nutze auf keinen Fall einen geschlossenen, luftdichten Behälter, da sich sonst Keime, Schimmel oder Stockflecken entwickeln können.
Wir empfehlen dir, die Windeln in einen Baumwollsack, eine sogenannte Wet-Bag oder einen alten Kopfkissenbezug zu geben und diesen dann in einen Eimer ohne Deckel zu stellen. Sollte die Geruchsentwicklung bei dieser Variante immer noch zu stark sein, gibt es spezielle Windeleimer, die geruchs-, aber nicht luftdicht sind. Beachte zudem, dass du benutzte Stoffwindeln maximal zwei Tage lang aufbewahren solltest, bis du sie wäschst.
Du hast die Möglichkeit mit einem eingelegten Vlies zu arbeiten, das als oberste Schicht in die Windel gelegt und nach dem Stuhlgang direkt in der Toilette entfernt wird. Darüber hinaus gibt es sogenannte Liner aus unterschiedlichen Stoffen, von welchen du den Stuhl mit Toilettenpapier grob entfernen kannst.
Unser Tipp: Wasche die Windeln nicht vorweg von Hand aus und/oder lass sie auch nicht in einer feuchten Umgebung liegen – dann besteht die Gefahr, dass sich Keime oder Schimmel bilden.
Nach spätestens zwei Tagen sollten die verunreinigten Windeln oder Einlagen in der Waschmaschine gewaschen werden. Nutze dafür unbedingt ein Vorwäsche-Programm. Stelle dann 60 oder 90 Grad Celsius ein (beachte hier die Angaben des Herstellers) und gib ein Vollwaschmittel in die Maschine. Vermeide Weichspüler, da dieser oft Stoffe enthält, die die Haut des Babys reizen können.
Anschließend im Trockner oder an der frischen Luft trocknen lassen.
Stoffwindeln können nach dem Waschen ganz einfach an der frischen Luft trocknen.
4. FAQ
Wie funktionieren Stoffwindeln?
Es gibt unterschiedliche Stoffwindelsysteme, jedoch weisen alle Stoffwindeln ein ähnliches Grundprinzip auf: Sie bestehen aus einer Überhose (meist aus Baumwolle), einem Nässeschutz und einem saugstarken Material. Optional wird in die Windel noch ein Vlies gelegt, welches dann mit dem Urin oder Stuhl in der Toilette entsorgt wird. Anstatt die komplette Windel wegzuwerfen, wie es bei Einmalwindeln der Fall ist, wird die Stoffwindel nach dem Gebrauch gewaschen und ist dann wieder einsatzbereit.
Stoffwindeln oder Einmalwindeln – was ist besser?
Stoffwindeln weisen zahlreiche Vorteile gegenüber Einmalwindeln auf. Sie sind nicht nur umweltfreundlicher, weil du große Mengen an Müll vermeidest, sondern auch kostengünstiger. Da du Stoffwindeln waschen und wiederverwenden kannst, benötigst du pro Kind nur circa 30 Exemplare während der gesamten Wickelzeit. Darüber hinaus sind Stoffwindeln besonders atmungsaktiv und hautschonend für dein Baby.
Wie viele Stoffwindeln brauche ich?
In der Regel braucht ein Kind, das noch nicht ab und an aufs Töpfchen geht, 8 bis 10 Windeln am Tag. Da du die Stoffwindeln in etwa alle zwei Tage waschen solltest, empfehlen wir die Anschaffung von circa 25 bis 30 Stoffwindeln, beziehungsweise je nach System die Anschaffung von 30 Einlagen.




































